Im Herzen des Hockenheimrings ist das Fahrerlager der Formel 1 eingebettet. Der Zugang ist nur mit einer speziellen elektronischen Akkreditierung möglich. Hier pulsiert das Geschehen, das bei Millionen von Motorsportfans an Rennsonntagen den Puls höher schlagen lässt.
Davor gelagert, quasi als Vorkammer des Herzens, sind die Motor-Homes der Rennteilnehmer, die das Rahmenprogramm gestalten dürfen, wie Porsche Supercup, GP2 und GP3 oder etwa die Formel BMW. Am Freitag schaute Mario Theissen, der BMW-Motorsportchef bei der hauseigenen Nachwuchsserie vorbei. Bis zum Formel-1-Ausstieg Ende vergangenen Jahres war Theissen mit seiner Truppe fester Bestandteil in der Hauptkammer des Formel-1- Herzens. Wie sehr musste ihm das Herz bluten, die ehemaligen Kontrahenten nur noch als Zaungast verfolgen zu können. Theissen reiste Freitag Abend ab.
BMW war immer gut dafür, Prominente einzuladen. Die Flaniermeile durchs Fahrerlager galt als viel beachteter Laufsteg für Stars und Sternchen. Ob eine Parallele besteht zwischen dem BMW-Ausstieg und der rückläufigen Zahl von Prominenten, die sich in Hockenheim zeigten, kann nur vermutet werden.
Fakt ist, dass schon deutlich anerkanntere VIPs aus der Glitzer- und Glamour-Welt den Weg ins Badische gefunden hatten, als es dieses Wochenende der Fall war. Die Boxer Arthur Abraham und Jürgen Brähmer wurden ebenso gesichtet wie Wladimir Klitschko und Franziska van Almsick, die eine Einladung der Silberpfeile hatte.
Ski-Star Maria Riesch, die selbst gern in ihrem Audi aufs Gaspedal drückt, schaute sich an der Seite von Boris Becker das Rennen an. Händchen haltend mit ihrem Manager und Lebensgefährten Marcus Höfl war sie zuvor durch die Motor-Home-Hochburgen-Gasse flaniert. "Jetzt geht es noch für drei Tage in die Skihalle nach Wittenburg zum Slalom-Training und dann sind wir, denke ich, ganz gut für unser Sommercamp in Neuseeland gerüstet", so Maria Riesch, die am 6. August die lange Flugreise in Richtung südliche Erd-Halbkugel antreten wird. Anschließend gibts ein weiteres Schneetraining in Chile.
"Ein Comeback zu starten, obwohl man schon so viel Erfolge hatte, finde ich sehr mutig, aber auch sehr cool", beurteilte Riesch die Formel-1-Rückkehr des Michael Schumacher. Apropos Schumacher: Pünktlich zum Rennen erschien gestern dessen oberster Chef: Der in Istanbul geborene Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, ausgestattet mit einer tief ins Gesicht gezogenen silbernen Mercedes-Mütze, wollte sich das Heim-Rennen vor Ort anschauen. Gut möglich, dass er auch im kommenden Jahr nur die paar Kilometer fahren muss, um den Deutschland-Grand-Prix zu sehen. Eigentlich wäre der Nürburgring als Ausrichter 2011 dran. Aber nach dem ungeklärten finanziellen Desaster mit laufenden Ermittlungen steht der Grand Prix in der Eifel auf der Kippe.
Nachdem der Hockenheim-Ring dieses Jahr mit einer schwarzen Null abschließen wird und somit den Abwärtstrend zumindest stoppen konnte, verlautete gestern, dass die Badener auch bereit wären, nächstes Jahr einzuspringen. Voraussetzung hierfür sei, dass dieselben Rahmenbedingungen herrschen wie dieses Jahr. Das heißt, Formel-1-Promoter Bernie Eccelstone belässt es bei einer Gebühr von sieben Millionen Euro. "Wenn der Nürburgring nicht kann oder will und bei uns die gleichen vertraglichen Bedingungen gegeben wären, stünden wir bereit", bestätigte Hockenheimring-Geschäftsführer Georg Seiler das Ansinnen.
Fans und Prominente, die nächstes Jahr am Deutschland-Grand-Prix interessiert sind, sollten demnach eher Hockenheim als den Nürburgring in ihren Planer eintragen.